Linkshändige Kölner Tagebücher
Die Entstehungs-Story zu dieser Serie
Anfang Februar 2010 reiste ich nach Köln, um dort die Ausstellung von artists united für Organspende vorzubereiten. Im Anschluss nahm ich mir noch etwas Zeit und besuchte das Museum Ludwig, bevor ich wieder mit der Bahn nachhause fuhr. Dort im Museum faszinierte mich eine Serie mit kleinen, quadratischen Pop-Art-Grafiken in der Art von Strichmännchen der Grand Dame der modernen Kunst: Louise Bourgeois (1911-2010). Im Bahnhof schwatzte man mir dann ein Probe-Abo DIE ZEIT auf. Auf der Rückreise war ich geistig noch immer ganz im Museum und wollte diese Pop-Art unbedingt ausprobieren; ich malte mit Bleistift und Kugelschreiber auf die druckfrische ZEIT meine persönliche Art. Zuhause angekommen wollte ich dem Ganzen doch noch etwas mehr Farbe geben und spachtelte auf die leeren Zeitungsstellen um die Figuren herum und später auch auf die Figuren selbst sehr dünn Ölfarbe dass man stellenweise noch die (wahllosen) Zeitungszeilen erkennen konnte. Das Ergebnis faszinierte mich so, dass ich dazu überging, (wahllos) Zeitungs-Puzzle auf Karton (später dann Leinwand) zu kleben. Zu den Strichmännchen und -frauen kamen "Bilder einer Ausstellung" = aus der Erinnerung gemalte Bilder meines Museums-Besuches. "Linkshändig" heissen diese als Tagebuch benannten Arbeiten deshalb, weil ich krankheitsbedingt Linkshänderin bin, aber organisch immer noch rechts meine "Arbeitshand" wäre. Wenn ich dann schon sehr müde bin, aber unbedingt noch ein paar Skizzen und/oder Memos niederschreiben will, kann es passieren, dass ich ungewollt in Spiegelschrift schreibe. Als es mir auch bei diesen Bildern passiert war, fand ich es als sehr witzigen Gag ......... und behielt dies während der gesamten Serie bei.
(Detail-/Ausschnittsfotos von Anya Sander, Fotos der Gesamtbilder von Christine Mercier)

oben von links nach rechts: Lesben-Paar, Lesben-Paar love me, Paar 1

oben v.l.n.r.: Paar 2, liegender Frauenakt in preussisch-blau und neapel-gelb

oben: Paar 2 und 3 Frauenakte 3
unten: Gesamtbilder

oben: linkshändige Tagebücher Seiten 93 links und rechts

links: Kalenderwoche 03 / X - rechts: Memo Q 10

Memos Q 11 und Q 12

Tagebuch Woche 7 X und Tagebuch-Puzzle 99



oben: 5teiliges Tagebuch-Puzzle # 06


links: Tagebuch No. 94 (2teilig) und rechts: "Eierköpfe", zu denen es folgende biografische Geschichte gibt:
2003 erlitt ich einen Schlaganfall. In der Folge musste ich mühsam lernen meine "Arbeits"-Hand wieder im Alltag einzusetzen. Als motorische Übungen wollte ich ursprünglich Kreise malen. Das misslang in so fern, wie daraus immer nur "Eier" wurden. Und so machte ich einmal mehr aus der Not eine Tugend, indem ich meinen Eierköpfen mit wenigen Strichen Gesichter, Handlungen oder Emotionen gab. So entstand z.B. "weint", "lacht", hat Zeit (Uhr) etc. Inzwischen kann ich meine Arbeitshand wieder voll mechanisch einsetzten und machte nur noch für die Vernissage in der UK-Kinderklinik Köln ein entsprechendes Poster mit Ölfarben.